LED Beamer Umbau

Ein Beamer ist eine tolle Sache. Aber wenn die Lampe kaputt ist hat man ein Problem: Ersatzlampen kosten leicht 100-200€. Manchmal lohnt es sich gar nicht mehr in die Birne zu investieren sondern man kauft gleich einen neuen Projektor. Da liegt die Idee nahe zu versuchen eine andere Lampe einzubauen. Im Internet lässt sich einiges zum Thema Xenon-Beamer aufstöbern, wenn man allerdings nach LED Umbauten sucht finden sich wenige Foreneinträge. Benutzern die danach fragen wird direkt erklärt dass so etwas prinzipiell nicht möglich sei, da bei LEDs das Licht von einer größeren Fläche abgestrahlt wird, und der Beamer dadurch kein scharfes Bild mehr erzeugen könne.

Erste Tests

Bild vom Rand der Hauptplatine an dem die verschiedenen Kabel angeschlossen sind. An einem der Stecker ist eine Lötbrücke.Wenn man natürlich ohnehin einen Beamer da hat, bei dem sich die Originallampe nicht mehr lohnt, dann kann man ja eben mal ausprobieren wie empfindlich der beamer auf die Richtung des einfallenden Lichtes reagiert. Bei dem Beamer handelt es sich um einen Medion MD2950NA. Ein LCD-Projektor mit 800x600 Pixeln Aufösung. Eine kurze Internetrecherche ergab welche der Steuerleitungen vom Mainboard zum Vorschaltgerät der Lampe (Bemerlampen sind Gasentladungslampen die man nicht einfach direkt an den Strom anschließen kann, sondern die ein Vorschaltgerät benötigen) den Zustand der Lampe kontrolliert.

Eine kleine Lötbrücke, und schon kann man mit dem Beamer experimentieren ohne das eine Lampe eingebaut ist. Dabei sollte man allerdings sehr vorsichtig mit den Anschlüssen der Lampe sein, da das EVG weiterhin versucht die Lampe zu "zünden". Dabei wird eine hohe Spannung an die Lampenanschlüsse angelegt. Jetzt muss man nur noch den Taster der den Deckel des Lampenfachs kontrolliert mit Irgendetwas gedrückt halten und schon kann man erste Experimente mit dem Beamer machen.

Eine Halogen-Schreibtischlampe wird in den geöffneten Beamer gehalten.Ein verwaschenes Bild ist auf die Wand projiziert.Mit einer 30W Halogenlampe lässt sich zwar nicht auch nur ansatzweise genug Licht erzeugen, aber es reicht bereits, um zu erkennen dass dem Beamer die Richtung des einfallenden Lichts herzlich egal ist. Auf dem Foto rechts erkennt man, dass das Bild scharf ist. Der Beamer hat also eine enorm gute Optik verbaut, die am Eingang sehr tolerant ist. Zum Helligkeitsvergleich: Das rote Leuchten unter dem Bild ist die Glimmlampe im Schalter einer Steckdosenleuchte. Die Diagonale des Bildes betrug ungefähr 15 Zoll, also genau die Bildgröße für die sich die Anschaffung eines Beamers lohnt.

Der Aufbau

Mit dem Wissen um die tolerante Optik ging es dann auf die Suche nach einer geeigneten neuen Lichtquelle. Bereits bei der Suche nach Bauteilen für ein früheres Projekt habe ich entdeckt dass es bei Satisled, einem chinesichen LED-Händler, einige ziemlich krasse LEDs im Angebot gibt. Nach einigem hin und her überlegen habe ich mich für eine 80W "pure white" LED (6000-7000K Farbtemperatur) mit einem Bridgelux Chip entschieden. Diese LED sollte circa 10k Lumen erzeugen.

Eine 80W LED liegt zum Größenvergleich neben einer 1ct Münze.Mit der Originallampe kam der Beamer auf 1200 Lumen, allerdings kann man nicht die Helligkeit der Lichtquelle mit der Helligkeit des Beamers selbst vergleichen, da in der Optik ein großer Teil des Lichts verloren geht. Bei dem Experiment mit der Schreibtischlampe bemerkt man das sofort: Das Projizierte Bild ist viel düsterer als würde man aus der gleichen Entfernung direkt mit der Lampe auf die Wand leuchten. In der Hoffnung dass von den zehntausend Lumen noch genug übrig bleiben würde habe ich also die 80W LED, sowie ein dazu passendes Netzteil, eine Linse einen Reflektor und eine Halterung dafür bestellt.

Anderthalb Monate, und einige lustige Zollformalitäten später ist die LED endlich da. Ganz schön groß, aber das war ja auch zu erwarten. Jetzt gilt es den Beamer zu zerlegen und die LED und das Netzteil dazu möglichst kompakt einzubauen. Idealerweise so dass man von außen nicht erkennt dass der Beamer verbastelt ist.

Gehäusehschale des Beamers mit Hauptplatine liegt offen da.

Nachdem der Deckel und die Hauptlatine abgenommen sowie alle weiteren Platinen, der hintere Gehäuselüfter und einige Bleche und Kunstofffolien entnommen waren stellte sich so etwas wie ein Überblick ein. Witzigerweise kam dabei heraus dass der Beamer eigentlich gar nicht von Aldi selbst ist.

Der Beamer liegt ohne Gehäusedeckel und Hauptplatine da.Unter der Hauptplatine sitzt zunächst das eigentliche Netzteil, und unterhalb davon das EVG für die Beamerlampe. Da der Beamer bereits gezeigt hat dass er auch zufrieden ist wenn anstatt dem EVG nur eine Lötbrücke an der entsprechenden Verbindungsleitung sitzt, wird diese Platine ausgebaut um Platz für das Netzteil der LED zu schaffen. Das von unten kommende rote Kabel im Bild links, ist das Kabel welches durch besagte Lötbrücke kurzgeschlossen wird.

Man sieht die Mechanik des BeamerobjektivsEbenfalls ganz interessant ist die Fokussierungsmechanik des Objektivs. Wird am Objektiv gedreht verschieben sich die verschiedenen Linsen unterschiedlich weit, um bei gleichem Abstand verschiedene Bildgrößen zu ermöglichen.

Zwei Platinen liegen zum Größenvergeich nebeneinander.Glücklicherweise sind die EVG-Platine, und das LED-Netzteil fast gleich groß. Allerdings eben nur fast, so dass der Blechkäfig in dem das EVG saß zersägt werden muss damit das LED-Netzteil in das Gehäuse passt. Um dieses später zu befestigen werden vier Löcher durch den Gehäuseboden gebohrt, so dass das Netzteil dann mit zwei Kabelbindern befestig werden kann. Das ist nicht unbedingt professionell, aber einfach und stabil.Die LED-Netzteilplatine liegt im Beamergehäuse zwischen den vom Käfig abegsägten Blechschienen.

Man beachte auch das spezielle CE-Zeichen auf dem Netzteil.

Seitenansicht beider Netzteile übereinander: Das Beamernetzteil sitzt quasi direkt auf dem LED-Netzteil.Da das LED Netzteil auch ein Stück höher ist als das EVG es war, gibt es jetzt kaum noch Abstand zwischen den beiden Platinen. Dies ist allerdings nicht weiter tragisch, da dazwischen noch eine dünne Kunststoffplatte kommt, welche für ausreichend elektrische Isolation sorgt (Für das Foto wurde diese weggelassen da sie die Sicht auf die Platinen versperrt hätte.) Die Eingangsseite des Netzteils wird direkt hinter dem Netzschalter des Beamers angebracht. Das ist zunächst ein bisschen unpraktisch, da so die LED auch angeht wenn der Beamer im Standby ist, also keine Lüfter laufen. Aber vielleicht kann man da ja später noch ein Relais zwischenschalten.

Eine Chip-LED ist mit Kabelbindern auf einem großen Aluminium-Kühlkörper befestigt.Die LED hat wie gesagt eine Nennleistung von 80W. Der Großteil davon wird in Wärme umgewandelt, und die muss abgeführt werden, denn die Lebensdauer einer LED hängt stark von der Betriebstemperatur ab. Da die Wärmemenge von der gleichen Größenordnung ist wie die einer CPU bietet es sich an einen CPU-Kühler zu verwenden. In diesem Fall war in der Restekiste noch ein Xbox 360 Kühler - der taugt genauso.

Der Kühlkörper wird probeweise ins Gehäuse gehalten.Der Kühlkörper wurde ein bisschen zurechtgeflext um gut ins Gehäuse zu passen. In Ermangelung eines Gewindebohrers musste wieder zu Kabelbindern gegriffen werden um die LED zu befestigen. Zwischen dem Chip und dem Kühler befindet sich eine dünne Schicht Wärmeleitpaste, ganz analog zur CPU-Kühlung. Auf dem Foto ist noch ein Testaufbau zu sehen, ohne Linse. Diese wurde später dann eingesetzt. Der Kühlkörper selbst wurde mit selbstschneidenden Schrauben am Beamergehäuse befestigt. Um Platz zu schaffen wurden Teile Gehäuses weggefräst, so dass sich der Kühlkörper mit der LED optimal im Beamer platzieren lässt.

Viel Klebeband rings um das Lichteinfallfenster des ProjektorsIm Anschluss wurden die beiden Netzteile fest eingebaut. D.h. das LED-Netzteil wurde mit den Kabelbindern befestigt , darüber die Kunstoffplatte gelegt, und dann das Beamer-Netzteil verschraubt. Auch der Lüfter wurde wieder eingesetzt, und mit viel Klebeband der Airflow optimiert, so dass möglichst viel Luft durch den LED Kühler gesaugt wird (Ziel ist es ohne einen zusätzlichen Lüfter auszukommen).

Der Temperatursensor klemmt im KühlkörperDer Orange Streifen den man hier im Bild sieht ist ein Temperaturfühler. Ursprünglich zum überwachen der Temperatur in der Umgebung der Lampe. Dieser wird mit dem Kopf eines Wattestäbchens direkt in den Kühlkörper geklemmt. Der direkte Kontakt anstatt der Messung der Lufttemperatur trägt der Tatsache Rechnung, dass die LED wärmeempfindlicher als die Gasentladungslampe ist, und daher eine eventuelle Abschaltung früher erfolgen sollte.

Man sieht den geöffneten Beamer, sowie eine Projektion an der Wand.Nachdem anschließend die Hauptplatine wieder montiert, und alle Kabel zusammengesteckt waren, war das ganze wieder bereit für den nächsten Testlauf. Erfreulicherweise funktionierte soweit alles so wie es sollte. Der Gehäusedeckelschalter wurde mit einem Tempo blockiert, und ein weiteres Tempo blockierte das Streulicht, so dass sich ein Foto machen lies.

Man sieht die unsauber ausgefrästen zusätzlichen LüftungsschlitzeSoweit funktioniert alles. Das Gehäuse kann also wieder zugemacht werden, und ein Film für einen richtigen Test ausgewählt werden. Davor werden die Lüftungschlitze im Gehäuse noch vergrößert. Dieses sieht dann zwar nicht mehr so hübsch aus, aber wie gesagt, eine LED ist da empflindlicher als eine Gasentladungslampe. Jemand der handwerklich etwas geschickter ist bekäme sowas sicher auch deutlich sauberer hin.

Test des fertigen Aufbaus

Dann kam aber die große Enttäuschung: Auch wenn das Ganze prinzipiell funktioniert, reicht das Licht nicht aus um ein ausreichend großes Bild an die Wand zu werfen. Auch nicht wenn man das Zimmer komplett abdunkelt. Von den 80W bzw. 10.000 Lumen wird einfach zu viel von der Optik des Beamers (D.h. die ganzen Linsen, Filter etc.) geschluckt.

Aufgegeben wird nicht:

Man sieht nebeneinander vier Linsen auf einer Tischplatte liegen.Der Lichtpfad wird für drei Displays aufgespalten.Die Lampe ist also locker hell genug, das Beamerbild aber viel zu dunkel - also geht wohl ein Großteil des Lichts unterwegs verloren. Dementsprechend hab ich mir dann den Weg den das Licht im Beamer nimmt mal genauer angeschaut. Da waren dann auch alle möglichen komischen Linsen und Filter drin. Also mal durchprobiert welche man davon überhaupt noch braucht. So eine riesen LED ist ja auch eine Flächen Lichtquelle, im Gegensatz zu der Gasentladungslampe, bei der nur ein winziger Teil des Lichtbogens leuchtet. Vermutlich ist also ein Teil des Krams gar nicht mehr nötig.

Dabei fiel auch auf, dass der Beamer drei verschiedene LC-Displays enthält, für jede Farbe eines.

Das innere des fertig umgebauten BeamersProjektion des fertigen Beamers an der WandNach so einigem rumprobieren stellte sich dann raus das keine der vier Linsen bzw. Filter dort oben mehr nötig waren. Nachdem die dann ausgebaut waren, und die LED nochmal ein Stück weiter nach vorne geschoben war, war das Bild dann deutlich heller. Wenn man einen Raum vollständig abdunkelt, reicht die Helligkeit jetzt aus, um sich angenehm einen Film anzusehen. Es ist zwar noch deutlich dunkler als mit der original Lampe, aber wenn man bedenkt dass diese 160W hatte, und die Effizienz in Lumen/Watt bei LEDs und Gasentladungslampen vergleichbar ist, dann ist das schon in Ordnung.

Nachdem dann klar war dass das ganze auch halbwegs praxistauglich ist, hab ich noch ein Relais eingebaut, damit die LED erst angeht wenn auch der Beamer angeht (um sicherzustellen das die LED nicht ohne Lüfter läuft). Ausserdem wurde noch ein bisschen schwarzes Kunstleder reingebastelt um das Streulicht zu blockieren. Damit ist der Beamer jetzt fertig. Von außen sieht er auch nicht allzusehr verbastelt aus.

Fazit

Das ganze Projekt war recht spannend, da man davor überall gelesen hat das ein Beamer mit einer LED nicht möglich ist. Es hat sich aber gelohnt das ganze durchzuziehen, auch wenn es zwischendurch kniffelig wurde. Wirtschaftlich gesehen lohnt sich sowas auf keinen Fall, da man um die origal Helligkeit zu erreichen einen noch teurere LED verwenden müsste. Aber selbst der Bastelaufwand dürfte kaum das Geld Wert sein dass so eine Lampe noch kostet.

Ausblick

Wenn man eine sehr viel stärkere LED verwenden würde, könnte man einen Beamer bauen, der deutlich heller als im Originalzustand ist. Dann würde allerdings das Netzteil der LED nicht mehr in das Beamergehäuse passen. Außerdem bräuchte die LED dann eine deutlich stärkere Kühlung z.B. eine Wasserkühlung. Die größte LEDs die derzeit bei Satisled erhältich sind haben eine Leistung von 500W. Die Kosten eines solchen Projekts wären allerdings enorm.

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Kommentare

2

Hallo, das war ja ein interessantes Projekt, Hut ab! Danke für die Infos und Bilder - ziemlich aufschlussreich für mich.

Super anleitung
Ich bin gerade dabei einen Lisegang Solid Ultra umzubauen
Das problem mit dem evg gab es zum glück nicht da es dem beamer wurst ist ob die lampe brennt oder nicht kommt halt nur die meldung lampe defekt was mir schwachsinnig erscheint da man die normalerweise gar nicht sieht...
Nun zu meinem problem
Ich habe probleme mit der kühlung
Ovwohl ich einen großen kühler mit lüfter auf der led habe raucht mir eine nach der anderen ab
Hier mal ein paar daten zur led:
100W 34V 17500lumen
Kühlkörper alu 6x6 cm cpu kühler
Sollte ich eventuell mal eine wasserkühlung ausprobieren?

Eine mail an auditech92@gmail.com wäre ganz nett

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